Nie zu alt für eine Behandlung mit Statinen?


Die Behandlung mit Statinen reduziert auch bei Menschen > 75 Jahren signifikant die kardiovaskuläre Mortalität (insgesamt -13% pro Jahr und mmol/l LDL-C-Senkung), nicht aber die Letalität. Der Nutzen in der Primärprävention ist minimal und bei Patienten mit Herz- und terminaler Niereninsuffizienz nicht nachweisbar. In der Sekundärprävention sind Statine dagegen auch bei älteren Menschen empfehlenswert – vorausgesetzt, ihnen wird der Nutzen gut erklärt und sie vertragen Statine bzw. nehmen sie auch regelmäßig ein.


weiterlesen

Kritik an den Leitlinien kardiologischer Fachgesellschaften


In einem, wie stets provokanten Artikel hat John Ioannidis − ein Gesundheitswissenschaftler der Stanford University, der sich wiederholt kritisch mit den Methoden der evidenzbasierten Medizin auseinandergesetzt hat − die Rolle der kardiologischen Fachgesellschaften beim Erstellen von Leitlinien und Kranheitsdefinitionen missbilligt. Diese Fachgesellschaften seien heute große Wirtschaftsunternehmen und würden mehrheitlich von der Arzneimittel- und Medizinprodukte-Industrie finanziert. Sie seien nicht unabhängig und daher dürfe man ihnen dieses „Machtspiel“ nicht überlassen. Mit der Erstellung von Leitlinien sollten vorrangig Methodiker, Patienten und erfahrene Fachärzte ohne unmittelbaren Bezug zum Thema (sog. Außenseiter-Fachärzte) beauftragt werden.


weiterlesen

DER ARZNEIMITTELBRIEF – Jahrgang 2018


Im zurückliegenden Jahr sind 91 Artikel im Arzneimittelbrief erschienen. Gemessen an der Anzahl der Artikel lagen die Schwerpunkte in der Arzneimitteltherapiesicherheit (18), der Infektiologie/Impfungen (12), der Kardiologie (11), Gerinnungshemmung (10), Neurologie (8), Hypertonie (8) und Diabetes/Endokrinologie (6).


weiterlesen

Arzneimittelfälschungen – eine nationale und europäische Herausforderung


Beinahe täglich sind Meldungen über gefälschte Krebs-, Schmerz-, oder potenzsteigernde Mittel zu lesen und zuletzt gab es sogar Hinweise auf gefälschte Impfseren. Die hohen Preise machen Arzneimittel hoch lukrativ für kriminelle Diebes- und Fälscherbanden. Es gibt Schätzungen, wonach den Arzneimittelherstellern in der EU jährlich Schäden in Höhe von 60 Milliarden Euro durch Arzneimittelfälschungen entstehen.


weiterlesen

Erhöhtes Hautkrebsrisiko durch das Diuretikum Hydrochlorothiazid


Eine Fall-Kontroll-Studie aus Dänemark hat einen recht eindeutigen Zusammenhang zwischen nicht melanozytären Hautkrebsen (NMSC) und der Einnahme von Hydrochlorothiazid (HCT) gefunden. Demnach führt eine langjährige Einnahme von HCT mit einer Kumulativdosis von 100.000mg zu einem mehr als 7-fach erhöhten Risiko für Plattenepithelkarzinom der Lippen. Zudem gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Spinaliome und Basaliome, wahrscheinlich gibt es auch hier einen Zusammenhang zwischen der Dauer der Einnahme bzw. der Kumulativdosis und dem Risiko für Hautkrebs. Es erfolgen keine Korrekturen auf andere, für die Hautkrebsentstehung wichtige Störfaktoren wie die Sonnenexposition. Trotzdem muss der Zusammenhang als sehr wahrscheinlich angesehen werden, zumal auch phototoxische Effekte von HCT bekannt sind. Bei anderen Diuretika wurde keine Assoziation mit Hautkrebs berechnet, auch nicht für das in Dänemark gebräuchliche Bendroflumethiazid oder das Thiazid-ähnliche Indapamid.


weiterlesen

Die Marktrücknahme für Chinolon-Antibiotika der ersten Generation und Anwendungsbeschränkungen für Fluorchinolon-Antibiotika


Wir haben im Mai über das anstehende öffentliche Sicherheitsbeurteilungsverfahren der Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika berichtet. Hintergrund ist eine Häufung von Berichten über Sehnenentzündungen und -rupturen, Aortenwandveränderungen und Aortenaneurysmata sowie muskuläre und neurologische Komplikationen (z.B. Dysästhesien, Depressionen einschließlich Suizidgedanken, Verwirrtheit, Seh- und Hörprobleme sowie Geschmacks- und Geruchsstörungen).


Auf Grund der „Persistenz seltener schwerwiegender Nebenwirkungen, die hauptsächlich Muskeln, Gelenke und das Nervensystem betreffen“ hat nun das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) der europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) reagiert und am 5.10.2018 dem Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) empfohlen, die heute kaum noch eingesetzten Chinolon-Antibiotika der ersten Generation (z.B. Nalidixinsäure) ganz vom Markt zu nehmen, da sie nur für Infektionen zugelassen sind, die nicht mehr mit dieser Antibiotikaklasse behandelt werden sollten, und die Anwendung von Fluorchinolonen (Ciprofloxacin, Levofloxacin, Norfloxacin, Enoxacin, Ofloxacin, Moxifloxacin, Nadifloxacin, Lomefloxacin) aus Sicherheitsgründen auf wenige Indikationen zu begrenzen.


weiterlesen

Die Cochrane Collaboration – Ein sinkendes Schiff?


Professor Peter Gøtzsche ist der Leiter des nordischen Cochrane Centers in Kopenhagen und ein bekannter Publizist (z. B. „Deadly Medicines and Organised Crime: How Big Pharma has Corrupted Healthcare”). Seine Meinungen sind mitunter polarisierend, oft sehr radikal – ebenso wie auch sein Diskussionsstil. Aber der wissenschaftliche und politische Diskurs lebt ja auch von extremen Positionen, wenn sie gut begründet sind.


weiterlesen