Eine Leseempfehlung


DER ARZNEIMITTELBRIEF macht keine Werbung für andere. Manchmal möchte man aber eine Ausnahme zulassen. Die Website des österreichischen Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) wäre eine solche Ausnahme. Sie ist in den letzten Monaten aus unserer Sicht deutlich verbessert worden. Wir wollen die Seite www.basg.gv.at ein wenig vorstellen und anhand eines Zugriffs am 8.7.13 anschaulich machen.

 

Auf der Startseite wird man von aktuellen Sicherheitshinweisen empfangen. Am 8.7.13. waren dies Warnungen vor i.v. Eisengaben (schwere allergische Reaktionen) und vor Ergotamin-Derivaten (Fibrosen, Ergotismus). Letztere sollen in den Indikationen Migräneprophylaxe, orthostatische Hypotonie und veno-lymphatische Insuffizienz nicht mehr verordnet werden, da die Risiken den Nutzen überwiegen. Im Archiv können insgesamt 75 solcher Sicherheitswarnungen seit November 2010 nachgelesen werden. Neben den Sicherheitshinweisen sind auf der Startseite auch Informationen zu Qualitätsmängeln von Medikamenten und zu aktuellen Lieferengpässen nachzulesen.

 

Im sog. „News Center” finden sich aktuelle Informationen zu Arzneimitteln, Medizinprodukten, Veranstaltungen und Neuregelungen. Insgesamt sind dort 91 Meldungen seit März 2009 aufgeführt. Die aktuellsten Informationen berichten von einer weltweiten Razzia gegen den illegalen Arzneimittelhandel im Internet. Eine weitere Meldung beschäftigt sich mit den Neuerungen bei den Bestimmungen zu Arzneimittelimporten in die EU. Hiernach dürfen ab 1.7.2013 Wirkstoffe für Humanarzneimittel nur noch unter bestimmten Bedingungen eingeführt werden. In einem Archiv mit über 50 Veranstaltungen des BASG können viele der teilweise sehr interessanten Vorträge aus den letzten sechs Jahren im pdf-Format nachgelesen werden. Im Mai ging es beispielsweise um Neuerungen im Bereich der Pharmakovigilanz. Es besteht auch die Möglichkeit, einen BASG-Newsletter zu abonnieren. Dieser liegt in Ausgaben für Experten und für Laien vor. An letztere richtet sich auch das sog. „BASG Glossar”. Hier können Informationen zu speziellen Krankheiten abgerufen werden. Diese Funktion ist jedoch noch sehr schematisch ausgearbeitet, und es fehlt eine Beziehung zur Arzneimitteltherapie.

 

Eine zentrale Neuerung ist das Online-Meldeportal für UAW-Verdachtsfälle. In dem Bereich „Pharmakovigilanz” können Beschäftigte aus Gesundheitsberufen und nun auch Patienten selbst oder deren Angehörige Verdachtsfälle direkt an das BASG melden. Erforderlich ist eine Registrierung und Identifizierung mittels Lichtbildausweis. Im „News Center” findet der Leser dann auch die aktuelle österreichische UAW-Statistik. Demnach hat sich die Zahl der UAW-Meldungen in den letzten fünf Jahren - auf sehr niedrigem Niveau - nahezu verdoppelt, von 443 im Jahr 2007 auf 812 im Jahr 2012. Zudem finden sich mehrere interessante externe Links, beispielsweise zu einer Liste der europäischen Arzneimittel-Agentur mit 127 Arzneimitteln, die derzeit aus verschiedenen Gründen unter besonderer Beobachtung stehen („Additional monitoring”).

 

Neu ist auch ein unter der Rubrik „e-Services” zu findendes öffentliches Register für „Nicht interventionelle Studien”, in dem sich derzeit 157 österreichische „Anwendungsbeobachtungen” mit den Namen des Sponsors, des Studienverantwortlichen und der aktuelle Studienstatus nachlesen lassen. Leider wird bei den abgeschlossenen Studien der erforderliche Abschlussbericht nicht angezeigt.

 

Eine weitere Neuerung ist das österreichische Arzneispezialitätenregister. Hier können alle zugelassenen Spezialitäten samt Zulassungsinhaber, -nummer und -datum recherchiert werden. Es fehlt die nach unserer Ansicht wichtigste Information: der Herkunftsort des „Active pharmaceutical ingredient”. Dies würde den Arzneimittelmarkt sehr viel transparenter machen.

 

Eine eigene Rubrik widmet sich den Medizinprodukten. Neben Erläuterungen zum Medizinproduktegesetz werden aktuelle Sicherheitsprobleme benannt. So beschäftigt sich die letzte Meldung mit einer chinesischen Firma (ARI) die offensichtlich die CE-Zertifikate für ihre Produkte gefälscht hat.

 

Die neu gestaltete BASG-Website ist in ihrer Fülle interessant, aber noch etwas unübersichtlich. Auch wenn man sich die eine oder andere zusätzliche Funktionalität wünscht (z.B. die Möglichkeit eines direkten Zugang zur den nationalen UAW-Meldungen), kann man dem BASG insgesamt jedoch zu ihrer Website gratulieren. Die Seite macht die Arbeit der Behörde transparent und bietet Fachleuten und Laien viele wichtige aktuelle Informationen. Diese Seite hat viele Leser verdient!